509

Kölner Dom | (c) Antje Münch-Lieblang

Früher, als ich Köln nur hin und wieder besuchte und noch nicht bewohnte, gehörte es bei jedem Besuch dazu, den Dom zu erklimmen. Es war mir gewissermaßen ein tiefes inneres Bedürfnis und ohne diesen Ausflug über die Dächer der Stadt, schien mir irgendetwas zu fehlen. Der Dom kam mir vor, wie ein guter Freund und ich hatte Freude daran, ihm ‚auf’s Dach zu steigen‘ und bildete mir ein, er freue sich über meine Anwesenheit ebenso.

Daran erinnerte ich mich heute morgen, als ich im Nieselregen vor diesem imposanten Bauwerk stand. Seit fast zehn Jahren wohnst Du jetzt hier …, dachte ich so. Eine verdammt lange Zeit …, dachte ich so. Und dann wurde mir bewußt, dass ich die 509 Treppenstufen bis zur Domspitze, das letzte Mal betreten hatte, als ich Köln das letzte Mal besuchte. Es kam mir vor, als sei es gestern gewesen.

Zehn Jahre können vergehen, wie im Flug!, dachte ich so und sah beschähmt zu Boden, … so wie man eben zu Boden sieht, wenn einem bewußt wird, dass man einen guten Freund vergessen hat.

Andere Saiten aufziehen

Das habe ich gestern getan. Wurde auch Zeit. Und nein, es handelt sich nicht um einen Schreibfehler in der Überschrift, sondern um meine Gitarre, die ich gestern ziemlich verstaubt vom Hochbett (dient gewissermaßen als Abstellraum) geholt habe, um sie mit neuen Saiten zu beziehen. Die G-Saite war vor längerer Zeit gerissen. Komisch. Es reißt immer nur die G-Saite. Ich besitze diese Gitarre schon mindestens fünfzehn Jahre und es war immer nur die G-Saite, die irgendwann das Zeitliche segnete. Geht das nur mir so?
Egal. Jedenfalls hat das gute Stück jetzt wieder neue Saiten und ich brauche jetzt neue Nerven, weil ich völlig aus der Übung bin und mir schwer fällt, was früher ein Leichtes war. Fragt sich nur, ob man Nerven auch so einfach neu aufziehen kann.