Neues aus dem ‚Doggy Fight Club‘

Igor | (c) Antje Münch-Lieblang

Der I-Hund ist gestern haarscharf der Verwurstung entgangen. Genauer gesagt, ist er den Fängen zweier Dobermänner entgangen, wovon eigentlich eines der possierlichen Hündchen eine Doberfrau war. Das weiß ich, weil ihr Name fiel, als der Besitzer sie sehr energisch mit „Paula, aus!“ aufforderte meinen Hund wieder auszuspucken. Ich bin ja auch selbst schuld: Es musste schnell gehen und ich habe deswegen an Halsband und Leine gespart. Frei von dieser gewohnten Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit dachte sich der kleine größenwahnsinnige Kerl wohl, er könne eine dicke Lippe riskieren und als kleines Appetithäppchen mal zwei ausgewachsene Dobermänner vernaschen. Pustekuchen! Wir wissen alle, dass das genaue Gegenteil der Fall gewesen wäre, hätte das ‚gegnerische‘ Herrchen seine zwei Beiden nicht so gut unter Kontrolle gehabt. Nur der I-Hund schien das mal so gar nicht vorrauszusehen. Das anfängliche Gekläffe, was bald in hysterisches Gekreische umschlug, wandelte sich relativ schnell in schmerzvolles Gequieke, als Paula im wahrsten Sinne des Wortes die Schnauze voll hatte von dem Theater. Möglicherweise ist der I-Hund jetzt schlauer, denn die Lippe ist wirklich ziemlich dick und sein dreifach perforierter Kopf somit vielleicht etwas offener für Einsicht. Doch so wie ich ihn kenne, würde er es wieder tun und riskieren, dass ihm bei der nächsten Begegnung mit Paula und ihrem Kumpel direkt der ganze Kopf abgebissen wird. Um ehrlich zu sein, möchte ich gar nicht wissen, ob ihm dieses Erlebnis eine Lehre war oder nicht. Mir jedenfalls war es eine Lehre und ich werde den kleinen Kerl nicht mehr morgens im dunklen Wald unangeleint herum laufen lassen. Hab‘ ihn doch lieb den kleinen Rambo … und bin verdammt froh, dass nochmal alles gut gegangen ist!

Fußbad für den Kopf

Ich oute mich hiermit als Konsument medialer Verblödung – sprich: Ich schaue mir im Fernsehen Sendungen an, die ziemlich grottig sind, wie zum Beispiel Frauentausch, DSDS, Das perfekte Dinner, Bauer sucht Frau … und was es da noch so alles gibt. Im privaten Rahmen, also zu Hause auf der Couch vor der Glotze, fällt das bei mir unter die Kategorie Verdummungsfernsehen – anspruchslose TV-Formate für anspruchslose Menschen, die noch dümmer sind, als ihr Fernsehprogramm. Warum ich mir sowas reinziehe, wo ich doch offensichtlich ein relativ intelligenter Erdenbürger zu sein scheine, ist einfach erklärt: Verdummungsfernsehen ist für mich das Fußbad für den Kopf. Klar, eine gesunde Portion Voyeurismus gehört sicher auch dazu, denn beim Spaziergang mit den Hunden um den Block immer durch die selben Gardinen zu glotzen, wird ja auf die Dauer ziemlich langweilig. Und ich sage: Verdummungsfernsehen schauen ist keine Schande, solange man den Mangel an anspruchsvollen und intelligenten Inhalten noch wahr nimmt.

Toll, und worauf wollte ich jetzt eigentlich hinaus? Ach ja, gestern beim perfekten Dinner referierte die Gastgeberin mal kurz zwischen Hauptgang und Dessert über Twitter, Blogs und Podcasts. Das fand ich irgendwie witzig, besonders die Aussage eines Gastes, dass Twitter ja sehr unpersönlich sei, weil man nur 140 Zeichen zur Verfügung habe und die Gastgeberin irgendwas in der Art von – die Kunst läge darin möglichst viel Persönlichkeit in diesen 140 Zeichen unterzubringen – antwortete. Ich musste dabei so an meine eigenen Tweets denken, die immer ‚verdammt‘ viel Persönlichkeit enthalten und um diese, gerade getätigte Aussage zu untermauern, habe ich zur Freude und Begeisterung der geneigten Leserschaft mal die ‚anspruchsvollsten‘ Tweets der letzten zwölf Monate heraus gesucht und bin nebenbei zu der Erkenntnis gekommen, dass ich erstens neben Konsument medialer Verblödung auch noch Produzent medialer Verblödung bin und zweitens nichtmal 140 Zeichen brauche, um persönlich zu werden. Hurra!

Moinsen zusammen! 8:39 PM Jan 18th from TweetDeck
Erst Kaffee oder erst Duschen? 8:31 PM Jan 10th from TweetDeck
Ich könnte den ganzen Tag so weiter machen mit Nichtbewegen … 5:19 AM Jan 10th from TweetDeck
Bewegung ist heute nicht mein Ding! 5:05 AM Jan 10th from TweetDeck
Blöde Tastatur! 2:23 AM Jan 10th from TweetDeck
Keine Ahnung … 2:08 AM Jan 7th from TweetDeck
Käselolli 3:47 AM Dec 30th, 2009 from Twitter Tools
Trari-trara! 12:32 AM Dec 28th, 2009 from TweetDeck
Ich sag‘ nur: „Schildkrötenkacke!“ und das ist mein letztes Wort für heute! 8:46 AM Nov 11th, 2009 from TweetDeck
Wird das heute auch mal hell? 1:28 AM Nov 9th, 2009 from TweetDeck
Immer wenn ich gerade können könnte, kann ich nicht, weil die Zeit zu knapp ist. (Ich red‘ hier vom Schreiben!) 1:15 AM Nov 9th, 2009 from TweetDeck
so, jetzt aber! 1:10 AM Nov 9th, 2009 from TweetDeck
Ewig nicht mehr richtig getwittert! Wird mal wieder Zeit … 10:14 PM Nov 8th, 2009 from TweetDeck
Sonntag! 3:51 AM Sep 27th, 2009 from Twitter Tools
Kollektiver Hundedurchfall! Könnte ein Sonntag schöner sein?! 4:17 AM Jul 26th, 2009 from Twitter Tools
Ich sach‘ nix! 3:11 AM Jul 26th, 2009 from TweetDeck
Ich such‘ den Sommer! Wer ihn findet: Bitte bei mir abgeben! 12:34 AM Jul 11th, 2009 from web
Feierabendbier! 10:32 PM Jun 20th, 2009 from Twitter Tools
Ich hab‘ „hui“! 5:06 PM Jun 8th, 2009 from Twitter Tools
Bimmelbammelbäng 3:05 AM May 23rd, 2009 from TweetDeck
Schokokussbrötchen 1:58 AM May 21st, 2009 from TweetDeck
Noch’n Kaffee? Ja, noch’n Kaffee! 10:19 PM May 14th, 2009 from TweetDeck
lalalalalalalalalalalalalalalalalalala 12:10 AM Apr 27th, 2009 from TweetDeck
Wäsche aufhängen! 7:43 AM Mar 6th, 2009 from TweetDeck
Staubsaugen! 5:06 AM Mar 6th, 2009 from TweetDeck
Jetzt’n Schnaps!!! 9:46 AM Feb 6th, 2009 from TweetDeck
Hundepups-Alarm 11:01 PM Feb 2nd, 2009 from TweetDeck
Ok, dass niemand für mich arbeiten will, verstehe ich. Zieht mich wenigstens jemand an? 10:35 AM Jan 26th, 2009 from TweetDeck
Wird Zeit … 8:18 AM Jan 23rd, 2009 from web
Hackbratenschlacke! 5:12 AM Jan 15th, 2009 from web

Tja und jetzt? Jetzt weiß ich auch nicht mehr weiter … Mal gucken, was so in der Glotze läuft!

Denken

Krishnamurti: Wo also beginnt das Schweigen? Beginnt es, wenn das Denken endet? Hast du je versucht, mit dem Denken aufzuhören?
Der Fragende: Wie macht man das?
Krishnamurti: Ich weiß es nicht, aber hast du es je versucht? Zunächst einmal, wer ist das Wesen, das versucht, das Denken anzuhalten?
Der Fragende: Der Denkende.
Krishnamurti: Es ist ein anderes Denken, nicht wahr? Das Denken versucht, sich selbst Einhalt zu gebieten, und so kommt es zum Kampf zwischen Denker und Denken … Das Denken sagt: Ich muss aufhören zu denken, dann werde ich einen wunderbaren Zustand erleben. … Der eine Gedanke sucht den anderen zu unterdrücken, also kommt es zum Konflikt. Wenn ich dies als eine Tatsache erkenne, es ganz sehe, es völlig verstehe, es wirklich begreife … dann ist der Geist still. Und wenn der Geist still ist, um zu beobachten, zu schauen, zu sehen, dann geschieht dies auf natürliche und leichte Weise.

(J. Krishnamurti)