K.O. in der zweiten Runde

Krankenhaus | (c) Antje Münch-Lieblang

«Antje Lieblang startet das Wochenende gleich mit einem schönen Ausritt (mit viel Glück sogar bei Sonnenschein) und wird sich heute mal bemühen dabei sogar einen sportlichen Eindruck zu machen.»

… schrieb ich Freitag bei Facebook, aber so wie sich die Sonne relativ schnell wieder verabschiedet hatte, so verabschiedete auch ich mich irgendwann.

Das Pferd auf dem ich ritt, nahm die Sache mit der Sportlichkeit nämlich ein wenig zu ernst. Erst lief alles prima, doch dann wollte ich antraben, aber die schwarze Schönheit unter mir schaltete vom ersten direkt in den dritten Gang und galoppierte munter drauf los. Wäre ja halb so wild gewesen, hätte ich schon eine Ahnung vom Galoppieren gehabt. Hatte ich aber nicht. Ok, dachte ich, Du musst die Madame irgendwie zum Anhalten bewegen, aber weil ich die Zügel verloren hatte und mich in meiner Not am Halsriemen des Pferdes festhielt, hatte sich das mit dem Bremsen schon mal erledigt. Gut, irgendwann wird sie schon stehen bleiben, dachte ich und versuchte mich in eine gefühlte sichere und vor allem aerodynamische Position zu begeben – Arsch hoch, Oberkörper runter, Hände weiter am Halsriemen. So lange du oben bleibst ist alles gut, dachte ich, und das blieb ich auch eine ganze Weile. Mit ruhigen Worten versuchte ich das Tier unter mir zu beruhigen und es dazu zu überreden, den Galopp einzustellen, aber es half alles nichts. Langsam sah ich die Bäume auf mich zukommen und hoffte, das Pferd würde einen Bogen darum machen. Dazu kam es dann aber nicht mehr, denn ich rutschte mit einem Fuß aus dem rechten Steigbügel, verlor den Halt, wehrte mich noch ein wenig, sah dann aber ein, dass es keinen Sinn hatte. Lieber Gott, lass mich nicht im anderen Steigbügel hängen bleiben, dachte ich noch so im Abflug und schon hatte der Höllenritt ein Ende. Ich landete unsanft im Acker, prallte ordentlich mit Hinterteil und Kopf voran auf den Boden, aber bekrabbelte mich gleich wieder. Ich stand auf und sah das Pferd ein paar Meter weiter auf dem Acker stehen, ging ruhig auf sie zu und schaffe es, sie einzusammeln. Zu Fuß ging ich mit dem Pferd meiner Reitpartnerin entgegen, die froh war, mich lebend wieder zu sehen. Da ich mich gut fühlte, begab ich mich wieder auf das Pferd und kaum dass ich saß, keine zehn Sekunden später, befand ich mich wieder im ungewollten Galopp.

Nicht schon wieder dachte ich, überlegte nicht lange und sprang direkt ab. Allerdings kam ich dieses Mal nicht so schnell wieder auf die Beine. Der Aufprall war wesentlich unsanfter, denn ich bekam erstmal nichts mehr mit von meiner Umwelt. Ich hörte zwar, wie mein Name gerufen wurde, war aber weder in der Lage, zu antworten, noch mich irgendwie zu bewegen. Ich war wie paralysiert, bis ich am Arm gepackt und hoch gezogen wurde. Geparkt auf einer nahegelegenen Bank wartete ich darauf abgeholt zu werden. Ich saß da und realisierte ziemlich schnell, dass ich wohl ins Krankenhaus musste und dass der Zustand in dem ich mich befand wohl die erste Gehirnerschütterung meines Lebens war. Mir brummte der Kopf, mir war schlecht und ich wusste von dem was passiert war nur noch Bruchstücke. Glücklicherweise hatte ich sonst keinerlei ernst zu nehmende Schmerzen, konnte auch sonst alles bewegen und wusste noch meinen Namen. Beruhigend.

Im nächstgelegenen Krankenhaus wurde ich dann untersucht und man wollte mich zur Beobachtung dort behalten. Auf eigenen Wunsch verließ ich die Örtlichkeiten aber, um mich in das Krankenhaus zu begeben, welches sich nächstgelegen zu meinem zu Hause befindet. Tja, … und da liege ich nun seit gestern Abend. Leicht lädiert, mit Kratzern und ordentlichen blauen Flecken, einem Brummschädel, einer nervigen Infusionsnadel im Arm und Thrombosestrümpfen, die mir das Gefühl geben, dass meine Beine bald absterben. Sonst ist es aber ganz wohnlich hier. Ich liege in einem Dreibettzimmer, zwischen zwei netten älteren Damen (bitte keine dreckigen Witze jetzt). Die erste Nacht habe ich kaum geschlafen, da alle zwei Stunden eine Schwester kam, um meinen Blutdruck und meinen Puls zu messen. Mal sehen, wie die kommende Nacht so wird. Morgen früh darf ich dann höchstwahrscheinlich wieder nach Hause.

Die Dame rechts neben mir fragte mich gerade, ob ich wieder auf ein Pferd steige. Und um die Frage all denen zu beantworten, die sie sich ebenso stellen: Natürlich steige ich wieder auf ein Pferd, denn die sieben Sekunden, die ich mich galoppierend auf dem Pferd gehalten haben, waren unbeschreiblich. Ich möchte dieses Gefühl wieder erleben, aber vorher möchte ich lernen, wie man vom dritten in den zweiten Gang schaltet, denn Absteigen im Galopp wird auf die Dauer zu kostenintensiv für meine Krankenkasse und zu stressig für meine Schutzengel.

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