Das ist doch Kacke

Was zum Geier ist in der heutigen Zeit bloß mit den Kindern los?
Ich arbeite zur Zeit in der Jungendherberge meines Heimatstädtchens und vertrete dort eine erkrankte Reinigungskraft. Betten machen, Zimmer und sanitäre Einrichtungen putzen. Im Grunde ganz nett. Bukowski hat ja auch mal so angefangen. Jetzt und hier geht es aber nicht um nett … und auch nicht um Bukowski, sondern um die sanitären Einrichtungen, ganz speziell um die Toiletten der Jungs. Das Männer ja bekanntlich Schweine sein können, wie man so schön sagt, war mir bisher ja nichts Neues, aber das kleine Männer riesengroße Schweine sein können …
(Das wäre jetzt übrigens ein guter Zeitpunkt, um lieber wegzulesen … für alle mit einem schwachen Magen und/oder schwachen Nerven. Ich ’nehme‘ hier ‚kein Blatt vor den Mund‘! Nichtmal ein Blatt Toilettenpapier! Mein‘ ja nur … vorallem mein‘ ich’s ja nur gut. Und wehe der geneigte Leser jammert gleich, weil er dachte, dass ich hier was literarisch Wertvolles schreibe!)

Zurück zum Thema: Wohl eine äußerst leidenschaftlich ausgeübte „Sportart“ unter den Jungs ist das Zielpinkeln. Wir versuchen alles zu treffen, nur das große Loch in der Mitte nicht! Da kann es auch schonmal vorkommen, dass die Pötte, in denen die Toilettenbürsten stecken, bis zum Überlaufen mit gelber Flüssigkeit gefüllt sind. Und nein, ich ’spreche‘ hier nicht von Limonade!
Im Vergleich zum dem, was allerdings heute am Ort des (V)erbrechens auf mich wartete, war das Zielpinkeln letzte Woche noch relativ harmlos. Irgendjemand hatte mir doch wirklich und wahrhaftig mit der Toilettenbürste eine Botschaft an die Kacheln geschmiert und die war, im warsten Sinne des Wortes, beschissen! Und nein, in diesem Fall war’s auch keine Schokolade. Sah nur so aus.
Zum Glück kann ich ja einiges ertragen. Merkt man … oder? Augen zu und durch eben. Und jetzt höre ich auch auf mit den Schauergeschichten. So kurz vorm Schlafengehen. Versprochen!
Und frage ich mich stattdessen: Was ist bloß mit den Kindern los? Und: Was ist eigentlich mit den Lehrern los? Als wir früher in Jugendherbergen gefahren sind, sind die vor der Abreise herumgegangen und haben kontrolliert, ob wir auch alles ordentlich hinterlassen. Hätte sich jemand von uns sowas erlaubt, wären aber die Fetzen geflogen. Ja, das wären sie! Und wir wären sicher nicht eher abgereist, bis sich der Übeltäter gemeldet hätte oder es jemand freiwillig sauber gemacht hätte. So wäre es gewesen, wenn man mal davon absieht, dass wir uns so eine Schweinerei niemals erlaubt hätten. Zahnpasta unter der Türklinke war damals das Höchste der Gefühle.
Ach … und was mit den Eltern los ist, würde mich auch mal interessieren! Leute, wenn an Eurem „wohlerzogenen“ Filius ein kleiner Picasso verloren gegangen sein sollte, dann kauft ihm verdammt nochmal eine Leinwand, Farbe und einen Pinsel!
So. Und jetzt gehe ich auf die Couch … und frage mich, was diese Erlebnisse noch toppen kann. Na mal sehen … am Freitag darf ich ja wieder ran! Ich halte Euch auf dem Laufenden (im wahrsten Sinne des Wortes)!

509

Kölner Dom | (c) Antje Münch-Lieblang

Früher, als ich Köln nur hin und wieder besuchte und noch nicht bewohnte, gehörte es bei jedem Besuch dazu, den Dom zu erklimmen. Es war mir gewissermaßen ein tiefes inneres Bedürfnis und ohne diesen Ausflug über die Dächer der Stadt, schien mir irgendetwas zu fehlen. Der Dom kam mir vor, wie ein guter Freund und ich hatte Freude daran, ihm ‚auf’s Dach zu steigen‘ und bildete mir ein, er freue sich über meine Anwesenheit ebenso.

Daran erinnerte ich mich heute morgen, als ich im Nieselregen vor diesem imposanten Bauwerk stand. Seit fast zehn Jahren wohnst Du jetzt hier …, dachte ich so. Eine verdammt lange Zeit …, dachte ich so. Und dann wurde mir bewußt, dass ich die 509 Treppenstufen bis zur Domspitze, das letzte Mal betreten hatte, als ich Köln das letzte Mal besuchte. Es kam mir vor, als sei es gestern gewesen.

Zehn Jahre können vergehen, wie im Flug!, dachte ich so und sah beschähmt zu Boden, … so wie man eben zu Boden sieht, wenn einem bewußt wird, dass man einen guten Freund vergessen hat.

Andere Saiten aufziehen

Das habe ich gestern getan. Wurde auch Zeit. Und nein, es handelt sich nicht um einen Schreibfehler in der Überschrift, sondern um meine Gitarre, die ich gestern ziemlich verstaubt vom Hochbett (dient gewissermaßen als Abstellraum) geholt habe, um sie mit neuen Saiten zu beziehen. Die G-Saite war vor längerer Zeit gerissen. Komisch. Es reißt immer nur die G-Saite. Ich besitze diese Gitarre schon mindestens fünfzehn Jahre und es war immer nur die G-Saite, die irgendwann das Zeitliche segnete. Geht das nur mir so?
Egal. Jedenfalls hat das gute Stück jetzt wieder neue Saiten und ich brauche jetzt neue Nerven, weil ich völlig aus der Übung bin und mir schwer fällt, was früher ein Leichtes war. Fragt sich nur, ob man Nerven auch so einfach neu aufziehen kann.