Armer, armer B-Hund

B-Hund | (c) Antje Münch-Lieblang

Der B-Hund, das Gegenstück zum I-Hund, beherrscht die Kunst des Futtererwerbens, wie kein anderer. Es ist unglaublich, was dieser Hund anstellt, um mich dazu zu bringen, ihm etwas Essbares zukommen zu lassen.

Das Theater beginnt, in dem er sich vor mich hinsetzt und schwanzwedelnd anglotzt, während ich zum Beispiel am Schreibtisch sitze. Wenn ich nicht reagiere, wird das Wedeln und Glotzen mit zusätzlichem sehr ausdauerndem Fiepen untermalt. Hat er damit keinen Erfolg, kommt die nächste Phase. Körperkontakt, das Stellen auf die Hinterpfoten mit Auflegen der Vorderpfoten auf meine Beine. Weiterhin wedelt er so sehr, dass er kurz vor dem Abheben steht. Zeige ich mich dennoch ignorant, fängt er an zu hopsen und zu bellen und macht Geräusche für die ich noch keine Bezeichnung gefunden habe.

Da hilft dann auch kein Ignorieren mehr. Ich spiele das böse Frauchen und schicke ihn weg, lasse ihn sozusagen auf Granit beißen, statt auf den erträumten Knochen oder die gewünschte Schweinehälfte. Wie geprügelt, völlig mitleidserregend und mit hängendem Schwanz trottet er davon. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Noch. Sekunden später höre ich ihn in der Küche, wie er demonstrativ minutenlang und laut klappernd seinen leeren Fressnapf ausleckt und über die Fliesen schiebt.

Vor meinem inneren Auge sehe ich ihn abgemagert und frierend in der Küche sitzen, während er mit seinem Fressnapf an die Rippen der Heizung schlägt und mit schwachen Pfoten das Wort Hunger in den Staub kratzt, bevor er völlig entkräftet zusammenbricht.

Das zieht und ich gebe mich geschlagen. Soll der blöde Köter doch sein blödes Futter haben. Ich versuche zumindest den Schein zu wahren und es wie meine Entscheidung aussehen zu lassen. Wie wir Alphatiere das eben manchmal so machen.

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