Ein Nachruf für die Holzwürmer

Unser Garten. Ein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit. Unsere kleine Oase, unser Fluchtpunkt aus dem Alltäglichen. Wir lieben unseren Garten. So lange haben wir ihn ja schließlich noch nicht. Allerdings schätze ich, werden wir ihn ewig lieben. Wir sind übrigens umgezogen – nur so nebenbei.

Bei den derzeitigen Temperaturen ist unser Garten nicht nur Fluchtpunkt, sondern eigentlich auch Lebensmittelpunkt. Zumindest die Terrasse. Die Wohnung könnten wir momentan getrost untervermieten, weil wir sie so selten nutzen. Die nutzt nur der Hund. Dem ist es nämlich draußen zu warm, selbst im Schatten. Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste.

Stonehenge des Grauens | (c) Antje Münch-Lieblang

Heute leidet die Idylle in unserem Garten allerdings vehement, denn auf unserer Wiese steht ein selbsterrichtetes Stonehenge des Grauens. Dieses Monument besteht aus schwarzen Müllsäcken, in denen sich, luftdicht verpackt, alte Holzkisten befinden. Diese schönen alten Holzkisten, die sich heute nur noch aufwändig und manchmal nicht ganz billig besorgen lassen und die sich, zu einem Regal zusammengestellt und mit allerlei Kram bestückt, zauberhaft zur Dekoration der Terrasse eignen. Wir hatten Glück. Der Blumenladen an der Ecke schließt. Die Kisten gingen zum Schleuderpreis raus. Mit ihnen leider auch ihre Bewohner.

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Was lange währt …

Ich hatte es mir gewünscht oder ich könnte auch sagen, ich habe es bestellt. Grün sollte es sein, mit diesem typischen Stoff, mit dunklem Holz und diesen Schnörkeln an den Armlehnen, so ein typisches Omasofa eben. Das alte Kunstledersofa aus meiner Wohnung ging mir schon lange auf die Nerven, weil es so abgessen war, dass sich das Kunstleder bereits verabschiedet hatte.

Es war letztes Jahr an einem Sonntag, mitten im Winter. Ich kam gerade von einem Lehrgang nach Hause, fuhr mit dem Auto durch die Stadt und da stand es. Es dauerte etwas, bis das Gesehene auch meinen Denkapparat erreichte und so fuhr ich erstmal weiter, um dann irgendwann zu drehen und mir das gute Stück genauer anzusehen. Das Sofa war Bestandteil eines großes Sperrmüllhaufens und sah auf den ersten Blick gar nicht so übel aus. Auch der zweite Blick brachte kein anderes Ergebnis. Das Ding war, abgesehen von der ein oder anderen Schramme im Holz, vollkommen unversehrt. Die Federung war vollkommen in Ordnung, der Bezug auch, es hatte nichtmal Flecken. Noch besser: Ein ebenso gut erhaltener passender Sesseln stand daneben.

Dieses Ding schien nur für mich dort zu stehen und es war orginal so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Leider war es weitaus länger, als mein fahrbarer Untersatz. Was nun? Ich konnte diesen Traum von einem Sofa nicht dem Sperrmüll überlassen und wenn ich bei der Eiseskälte darauf hätte übernachten müssen. Da fiel mir nur ein guter Freund ein, denn ich auch direkt anrief. Ich so: «Duuuhu, da steht ein Sofa auf der Straße.» Er so: «Jaaaha, sollen wir’s holen?» Kurze Zeit später war er da. „Was lange währt …“ weiterlesen