Schatten

Ein seltsamer Tag gestern und eine noch viel seltsamere Nacht, die ich mehr neben mir, als bei mir verbrachte. Eigentlich hätte ich frei gehabt, wollte mir das Schlafen für einen späteren Zeitpunkt aufheben und blieb wach. Letztendlich musste ich dann doch arbeiten, hatte aber nur noch Zeit, drei Stunden zu schlafen. Hundemüde, unkonzentriert und phasenweise vollkommen überdreht, brachte ich auch diese Nacht hinter mich.

Als ich dann im Auto saß, war ich natürlich hellwach. Die Straßen waren leer, die Musik laut und gut und so fuhr ich einfach noch ein wenig weiter, dachte über dieses und jenes nach und genoß einfach diese kleine nächtliche Spazierfahrt. Plötzlich lag da was mitten auf der Straße. Zum Bremsen war es zu spät und als ich darüber hinweg fuhr, ohne es mit dem Auto zu erfassen, konnte ich nicht erkennen, was es war. Es schien ein Tier zu sein, aber ich hoffte auf irgendetwas anderes. An der nächsten Ecke hielt ich an und lief zurück. Das nächste Auto kam, bevor ich da war. Ich schloß die Augen, hielt die Luft an, hörte aber nichts.

Es war eine Katze, grau getigert, … tot.

Ich dachte kurz nach, nahm dann ihre Pfoten, hob sie so vorsichtig hoch und trug sie von der Straße. Neben einen Baum am Straßenrand legte ich sie ab, streichelte traurig ihren regennassen Kopf und wünschte ihr eine gute Reise.

Dann fuhr ich nach Hause.

Nachtleben

Langsam finde ich Gefallen daran, des Nachts zu arbeiten. Und das liegt nicht an der Tatsache, dass es Nachts bei uns im Geschäft wesentlich ruhiger zugeht und ich für weniger Stress auch noch mehr Geld bekomme, sondern daran, dass ich immer mit spannenden Erlebnissen belohnt werde, wenn ich um diese Uhrzeit (zwischen vier und sieben Uhr) nochmal mit den Hundefellen durch’s Dorf marschiere.

So haben wir doch letztens zwei Rehe gesehen, die einfach so vor unseren Nasen über die Straße liefen. Den Hundefellen sind fast die Augen aus dem Kopf geplöppt, denn die hatten in ihrem bisherigen Leben noch kein Reh zu Gesicht bekommen. Ebensowenig, wie den Igel, den wir eben trafen. Na da war was los! Plötzlich gab’s ein riesen Theater und etwas kugelte den Berg herunter. Schnell zog ich die Beiden zur Seite und sah, was die große Aufregung verursacht hatte. Ein kleiner Igel, der sich gleich zum Schutz sozusagen eingeigelt hatte. Ich band die Hundefelle dann einige Meter weiter weg an und ging zurück, um nach dem kleinen Kerl zu schauen. Er versteckte sich immer noch in sich selbst und ich nahm ihn, zupfte alle Blätter aus seinem stacheligen Mantel, die er beim Kugeln aufgespießt hatte, redet beruhigend auf ihn ein und setzte ihn dann wieder an die Stelle, an der die Hundefelle ihn zum Absturz brachten.

Sowas erlebt man hier mitten in der Nacht oder vielmehr am frühen Morgen. Ist ja gar nicht mehr so spät. Der Herr Papa ist auch schon munter und muss gleich zur Arbeit. Ich komme, er geht. Fliegender Wechsel sozusagen. Jaja, so ist das manchmal …